"Man
besitzt nur das wirklich, was man loslassen kann: dieses Äquivalent hat Manfred Kastner durch die Kunst
gefunden,
die dem Haben das Sein gegenüber stellt." Die
folgenden Unterseiten geben einen guten Einblick in das fotografische
Schaffen von Manfred Kastner. Seine Themen sind die Natur ganz allgemein, die vier Elemente und ganz
besonders das Wasser. Manfred Kastner arbeitet als Fotograf
ebenso behutsam wie kraftvoll. Die Intimität, die seine Bilder ausstrahlen, scheint die natürliche Folge
eines tiefen Respekts, mit dem sich Kastner seinen Sujets nähert. Er behandelt das unerschöpfliche Thema
Natur ohne einen pragmatischen Anspruch auf Vollständigkeit. Die
Hasselblad FE 203 , mit der er arbeitet, genügt als Garantie für die objektive Abbildung der Erscheinungswelt. Wie der Fotograf aber seine Kamera benutzt, zielt auf die Empfindungswelt.
Die Bilder dieser Ausstellung variieren das Thema subtil und sind durchdrungen von
einer poetischen Hinwendung zur Natur. In der sichtbaren Welt ist das Licht das entscheidende
Bindeglied zwischen uns und den Dingen. Licht liegt wie ein Zaubermantel um die Dinge
und verändert sich fortwährend.


Die
4 Elemente Das Licht ist das unverkäufliche
Werkzeug des Fotografen.
Und wenn sich ein Fotograf auf ein Thema einlässt, wie es Manfred Kastner in seiner Arbeit tut, dann
lässt er sich zwangsläufig ein auf die tiefen und flachen Gründe des Lebens. In
manchen Fotografien kommt das inzwischen veraltete Wort für diese Art der Abbildung wieder in seiner
ursprünglichen Bedeutung zum Tragen: Es sind Lichtbilder. In
kaum einer Kunstgattung spielt die Zeit eine solche Rolle wie in der Fotografie,
von der Belichtungszeit hängt ebenso viel ab wie vom richtigen Zeitpunkt. Wie
eine stille Wasserfläche spiegeln Kastners Fotografien Landschaften, die auch als Empfindungsräume
betrachtet werden können. Gerade die stillen menschenleeren Motive, die bis ins Detail durchgestaltet
wirken, können als Metaphern für die persönlichen Erfahrungen des Fotografen gelesen werden. An diesen
Berührungspunkten zwischen dem augenblicklichen Radius der fotografischen Aufnahme
und jenem großem Radius des eigenen Lebens erhebt sich Kastners perfekte Beherrschung
des zur künstlerischen Artikulation. Manfred Kastner lebt
in Bodman am Bodensee. Als Gast des Restaurants
Pferdehof fand der Autor dieses Textes dort wieder, was er als Grundstimmung bereits aus den Fotografien
Kastners kannte. Stilbewusstsein, Ursprünglichkeit, Intimität und ein stetes Streben
nach Harmonie. Der Gastwirt Kastner, ein exzellenter Koch, hat ein ausgeprägtes Verhältnis zu den
festen Werten des Lebens, er liebt die Dinge. Ohne diesen Charakterzug wäre seine Doppelbegabung Fotograf
und Koch kaum denkbar. Radio Monk Leipzig
August 1995 |